Für Soest sind erstmals 1213 Ratsherren erwähnt und ein Rathaus erscheint zum ersten Mal 1229 in den Urkunden. Von dem Rathaus des 13. Jahrhunderts und seinen Nebengebäuden ist nur noch der nördliche Rentkammerflügel erhalten. Der Hauptbau musste 1706 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden und wurde 1713/14 durch den größeren, heutigen Westflügel ersetzt.
Dieser zählt zu den schönsten Barockbauten der Stadt und kündet vom Repräsentationswillen der Stadt und seiner nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder erstarkten Wirtschaftskraft. Der Putzbau mit neunbogiger Halle ist bis hin zu den Schornsteinen, von denen einer bereits von Beginn an ohne Funktion war, streng symmetrisch gegliedert.
Die westliche Schauseite ziert das Stadtwappen mit schildhaltenden Wilden Männern und im Frontgiebel der Stadtheilige St. Patroklus. Im Erdgeschoss des Gebäudes befindet sich der „Blaue Saal“. Dieser 22,8 m x 10,6 m große und 9,05 m hohe Saal hat ein rundbogiges hölzernes Tonnengewölbe, welches an der Unterseite blau gestrichen und mit goldunterlegten Glassternen versehen ist. Es sollte für den Rat die Fiktion erzeugen, unter freiem Himmel zu tagen, wie es zu germanischer Zeit üblich war.
Zwischen dem Westflügel des Rathauses und dem Westwerk der Stiftskirche St. Patrokli stand früher die Rumeney, das erstmals 1291 erwähnte und wohl 1706 mit abgebrochene Stadtweinhaus und Amtshaus der „Bruderschaft der Schleswigfahrer“.